Einfache Zyklusbeobachtung – wie geht das?

In letzten Beiträgen wurde die Zyklusbeobachtung öfter erwähnt und da haben wir gedacht, dass es dazu unbedingt einen Text geben sollte, der das Ganze mal aufgreift und erklärt, wie man ganz einfach damit anfangen kann.


Mit welchem Ziel wird der Zyklus beobachtet?

  • Um Körperverständnis und Einsichten zu ermöglichen 
  • Zur Verhütung von Schwangerschaften 
  • Als Unterstützung beim Kinderwunsch. 


Was für Methoden gibt es?

Von der einfachen Kalendernotiz zum Start der Menstruation bis zur computergestützten Fruchtbarkeitsbestimmung zählt alles zu Zyklusbeobachtung. Je nachdem, mit welchem Ziel man sein Zyklusgeschehen verfolgt, kann man den Umfang seiner Beobachtungen anpassen. Für Kinderwunsch kann es ausreichen, sich mit dem Zervixschleim auseinanderzusetzen und manchmal ist es auch dafür sinnvoll, sich mit einer ausführlichen Methode zu beschäftigen. Wer sicher verhüten möchte, muss die Anwendung bestimmter Regeln beachten.

Unsere Empfehlungen für Methoden, um zu verhüten oder den Kinderwunsch zu unterstützen, sind: 

  • Sensiplan – Die Basis für die Methode gibt das Buch „Natürlich und Sicher" vom Trias Verlag. Bei wastelandrebel habe ich einen ausführlichen Gastartikel darüber geschrieben. 
  • nach Rötzer – Die Methode wird in dem Buch „Natürliche Empfängnisregelung: Der partnerschaftliche Weg" vermittelt.


Was sind die Vorteile davon, den eigenen Zyklus zu kennen?

Selbst mit dem einfachen Notieren der Menstruationstage kann man schon in vielen Fällen abschätzen, wann sich die nächste Menstruation ankündigt. Phänomene wie PMS können dann leichter im Alltag zugeordnet werden und Unregelmäßigkeiten in der Zykluslänge erkennt man auch direkt.
Wer Lust hat, sich noch mehr Notizen zu machen, wie zum Beispiel zu Erkältungen, Stress, Essen etc. kann das eigene Zyklusgeschehen in den Alltag integrieren lernen. Das heißt aber nicht, dass du nun alles aufschreiben musst, sondern du wählst natürlich das aus, was für dein Leben interessant ist. Wenn du zum Beispiel gerne herausfinden magst, ob deine Brüste in der zweiten Zyklusphase empfindlicher sind, dann kannst du dazu eine kleine Forschungsrunde starten. 

Durch das Einbeziehen von weiteren Körperzeichen kannst du dann noch tiefer in dieses Verständnis einsteigen. Eines davon ist der Zervixschleim, den du leicht und ohne Hilfsmittel beobachten kannst. Schon damit kann die fruchtbare und unfruchtbare Zeit (erste und zweite Zyklusphase) eingegrenzt werden. Durch das Zykluswissen kannst du zum Beispiel den Zyklustee oder Medikamente rechtzeitig anwenden (siehe Artikel über PMS-Hilfen) oder im Falle eines Falles sinnvoller auf eine Kondompanne reagieren. Auch beim Kinderwunsch ist der Zervixschleim besonders hilfreich. Denn die gesprungene Eizelle ist circa 13 Stunden befruchtungsfähig und mit den Hinweisen, die aus dem Zervixschleim abgeleitet werden, kann diese Zeit besser eingegrenzt werden.


Wie kann eine schlichte Schleimbeobachtung aussehen?

Mit jeder Menses beginnt ein neuer Zyklus – und zwar mit dem ersten „richtigen" Blut.
Was das für dich bedeutet, kann unterschiedlich sein. Wichtig ist nur, dass du dich immer gleich entscheidest. Wenn für dich der Moment als Start zählt, in dem das Blut richtig rot fließt, dann zählst du immer das als ersten Zyklustag. Bei anderen mag es z.B. die Stärke sein, die den ersten Tag bestimmt. Vorangehende Schmierblutungen werden nicht gezählt.

Nach der Menstruation fängst du an, den Zervixschleim zu beobachten. Er wird im Muttermund (der Zervix) produziert und rutscht mit der Zeit nach draußen, wo du ihn am Eingang der Vagina mit dem Finger oder Toilettenpapier abnehmen kannst. Es ist nicht notwendig, in die Vagina hineinzufassen – wenn du bei jedem Toilettengang einmal guckst, wirst du keinen Schleim verpassen

* Die Bezeichnung „besser" ist nur eine Hilfe, um den Umschwung einordnen zu können. Jeder normal auftauchende Zervixschleim ist gut, weil er Fruchtbarkeit  und die Gesundheit deiner Vulvina anzeigt! Wenn er mal die Farbe deutlich verändert, oder seltsam riecht, dann kannst du direkt handeln (z. B. mit Tipps von Fey) und mit Hilfe eines Fachmenschen gucken, ob es sinnvoll ist, dies zu behandeln.

Der Zervixschleim verändert sich im Laufe des Zyklus, weil er unterschiedlich auf Östrogen und Progesteron reagiert. Und das fühlt sich dann auch unterschiedlich an. So kannst du ungefähr erkennen, wann du fruchtbar bist.
Je klarer und flüssiger oder auch glibbriger („besser" *) der Zervixschleim ist, desto näher befindet du dich am Eisprung – der fruchtbaren Östrogenphase. Manchmal fühlt sich der ganze Bereich der Vulvina sogar richtig nass an.
Nach dem Eisprung gibt es einen deutlichen Umschwung im Schleim. Er verfestigt sich teilweise im Muttermund zu einem Pfropf und ist nun trüb, weißlich oder gelblich und wird oft von einem eher trockenen oder aber auch neutralen Gefühl begleitet – oder taucht erstmal gar nicht mehr auf. Daran erkennt man die unfruchtbare Progesteronphase.

Dein persönlich „bester" Schleim muss nicht unbedingt durchsichtig oder glibberig sein, denn es kommt vor allem auf den Umschwung zu einer niedrigeren Kategorie an – und das geht auch von weißlichem Schleim zu gar keinem Schleim.
Viele Frauen haben kurz vor der Menstruation dann nochmal flüssigen Zervixschleim. Das liegt daran, dass der Muttermund für das bald abfließende Blut frei gemacht wird und sich der Pfropf deswegen wieder auflöst.


Wie notiere ich meine Beobachtungen?

Auf jeden Fall brauchst du irgendetwas, um deine Beobachtungen zu notieren und nachzuvollziehen. Das geht einfach in einem Notizblock, mit verschiedenen Apps oder mit einem der neuen Menskalender von Mela – und ganz ausführlich mit ihren 13 Monde Heften.
Am Ende des Tages notierst du deine Beobachtungen und guckst, ob es darauf basierend schon die Möglichkeit gibt, einen Rückschluss auf deine Zyklusphase zu ziehen.

Du kannst deine Schleimbeobachtungen so ausführlich oder knapp gestalten, wie es dir sinnvoll erscheint. Für eine gute Übersichtbarkeit lohnt es sich aber, den Schleim jeden Tag durch Kürzel festzuhalten. Die Schleimqualität lässt sich nämlich in Kategorien einteilen, um die Entwicklung über den Zyklus hinweg sichtbar zu machen. Notiert wird die „beste" Qualität des Tages:

  • III, II, I Mens, je nach Stärke
  • . . . Schmierblutung
  • K klar – glänzend, fadenziehend, flüssig, glibberig, durchsichtig wie rohes wie Hühnereiweiß
  • W weiß – weißlich, cremiger, gelblicher, zäher Schleim
  • N nichts – nichts sichtbar oder spürbar

Innerhalb einer Kategorie taucht nicht immer der exakt gleiche Schleim auf: Vielleicht ist an einen Tag viel glibbriger Schleim beim Gang auf die Toilette aufgetaucht und an einem anderen Tag gab es nur ein ganz nasses Gefühl. Trotzdem bekommt beides die Kategorie K.


Wie deute ich meine Eintragungen?

Ein möglicher Verlauf von Schleim-Beobachtungen könnte so aussehen (Klick aufs Bild zum Vergrößern):

Eine Deutung dieser Reihe wäre dann: 

  • ZT 6: Aha, nach der Mens gab es zwei Tage, wo nichts beobachtet wurde! 
  • ZT 8: Dann war zwei Tage lang weißlicher Schleim zu entdecken. 
  • ZT12: Ab da wurde das Ganze glibberig. 
  • ZT 16: Im Beispielverlauf ist der 16. Tag der letzte mit Schleim der „besten" Kategorie. Das weiß man natürlich immer nur im Nachhinein. Irgendwan an diesen Tagen hat dein Ei beschlossen, zu springen. Mit diesem Umschwung kann man dann den Übergang in die Progesteronphase (2. Zyklusphase) annehmen – vor allem wenn danach dann nur noch Schleim der W Kategorie oder gar keiner kommt. Manchmal wechselt das noch ein bisschen hin und her. 
  • ZT 29: Hier in der Reihe taucht der K Schleim erst direkt vor der Mens wieder auf.

Nun kannst du über die Zyklen hinweg gucken, ob die Zeit nach dem Umschwung immer ähnlich lange ist – das ist deine Progesteronphase und sie ist bei den meisten Frauen oft relativ gleich lang.

Wenn du noch genauere Rückschlüsse auf dein Zyklusgeschehen rund um Eisprung und die verschiedenen Phasen ziehen willst, ist vieleicht Sensiplan für dich interessant! Da wird dann auch noch die Temperatur gemessen und der Schleim wird etwas feiner unterteilt.


Und nun: Frohes Forschen!


Disclaimer: Achtung! Diese schlichte Variante der Zyklusbeobachtung ist nicht zur Verhütung geeignet! Sie kann aber eine gute Vorbereitung für Sensiplan sein.
Cookies zum Frühstück!
Teil 2: Wie ich mir bei PMS helfen kann
 

Kommentare 1

Gäste - Alba am Montag, 18. September 2017 11:28

Kleine Anmerkung … Der Zervixschleim wird am Ende des Zyklus nochmal „besser“, weil mehr Östrogen frei gesetzt wird.
Wichtig finde ich auch zu wissen, dass es im Vorfeld des Eisprungs mehrere Phasen mit gutem ZS geben kann, ohne dass dies unmittelbar mit dem ES verknüpft ist. Der Östrogenspiegel kann nämlich mehrfach ansteigen und wieder fallen, bevor es zur Ovulation kommt (daher ist das Beobachten der Temperatur so hilfreich, denn nur so kann man erkennen, dass der ES wirklich erfolgt ist).
Liebe Grüße

Kleine Anmerkung … Der Zervixschleim wird am Ende des Zyklus nochmal „besser“, weil mehr Östrogen frei gesetzt wird. Wichtig finde ich auch zu wissen, dass es im Vorfeld des Eisprungs mehrere Phasen mit gutem ZS geben kann, ohne dass dies unmittelbar mit dem ES verknüpft ist. Der Östrogenspiegel kann nämlich mehrfach ansteigen und wieder fallen, bevor es zur Ovulation kommt (daher ist das Beobachten der Temperatur so hilfreich, denn nur so kann man erkennen, dass der ES wirklich erfolgt ist). Liebe Grüße
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