Die Kraft des Ja.

Die Kraft des Ja.

Letzte Woche haben Mela und ich uns telefonisch, gemeinsam der Buchführung gewidmet. Jedenfalls dem Vorsortieren, bei dem wir noch nebenbei reden konnten. Buchführung löst in uns beiden Aufschiebetendenzen aus, die nur unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Es gemeinsam zu tun, hatte den Sinn, dass wir dran blieben und nicht viel anderes lustvolleres machen wollten, außer dabei ein bisschen reden. Da wir mit Aufschiebeenergie beschäftigt waren, kamen andere Dinge zur Sprache, die wir aufschieben oder gerne mal machen würden und doch nicht tun.
Manche, wie ein voller Ablagekorb mit allem möglichen drin, lagen mir vor der Nase. Anderes sprach Mela an, zum Beispiel, dass sie kaum noch Zeitschriften liest. Darüber hatte ich in der letzten Zeit auch immer mal wieder nachgedacht. Meine Idee dazu war, mir immer eine Zeitschrift auf mein Stehpult zu legen.
Denn: Ich will nicht nur öfter Zeitschriften lesen, sondern auch öfter stehen.
Meine Ergebnisse des Gesprächs sind: Eine fertige Buchführung über die fällige Zeit hinaus, eine Zeitschrift wurde schon am Stehpult gelesen, die zweite liegt begonnen dort. Der Ablagekorb (von den letzten vier Monaten) ist zur Hälfte bearbeitet. Alles Dinge, die ich schon länger machen wollte.
Heute dachte ich darüber nach, was das Prinzip dahinter ist.
Wieso ging das so plötzlich und zwar ganz leicht und ohne Widerstand beim Ablagekorb?

​Nina mit ihrem erfolgreichen Wandel fiel mir ein und Henk, der mich viele Jahre lang auf die Kraft des Ja hingewiesen hat und mir immer wieder mein Nein spiegelte. Da sind Prinzipien zu sehen, die uns in den Lebensfluß bringen können oder im Stau stehen lassen.
Nina hat über Jahre viele innere und äußere Streits, Widerstände, Staus und Graus offen gelegt. Sie hat sich mehrere Orte geschaffen, an denen sie nichts verstecken muss. Schonungslos offen ist sie, bis ins Detail.
Dazu lernte sie irgendwann Henk und mich kennen und konnte sich auf noch ganz anderen Ebenen zeigen. Sie lernte für ihr Innenleben und das Verhalten in der Welt, ganz neue Sichtweisen und Möglichkeiten kennen. Nach und nach reduzierten sich die Verurteilungen des eigenen Verhaltens sowie das anderer Menschen.
Sich selbst grundsätzlich in der individuellen Wesentlichkeit zu erkennen und mit Liebe zu betrachten, macht es möglich auch die "Dreckecken" anzuerkennen und zu klären.
Nina hatte sowieso ein großes Ja zum Leben, doch war es verheddert mit den tausend kleinen Neins. Inzwischen ist das Ja an erster Stelle und ermöglicht auch ein klares Nein, wenn es nötig ist. 

Zurück zu meinem Ablagestapel und dem Stehpult. Was war geschehen? Ich hatte meine Wünsche und Widerstände ausgesprochen, dadurch ans Licht geholt und mit meinem generellen Ja kam die Bewegung zum gewünschten Ziel.
Dass es irgendwann so einfach ist, verstand ich dann heute nochmal auf andere Weise. Das Ja zu dem Wunder des Lebens, zu wie man ist, zu seiner Geschichte, macht ein glückliches Leben möglich. Keines das auf rosa Wolken schwebt, sondern eher auf einer Regenbogen Achterbahn. ;-)
Denn das Ja ist bedingungslos, was den Fluss des Lebens betrifft. Es ist auch da, wenn wirklich konstruktiver Widerstand angesagt ist: Gegen Ungerechtigkeit, Lüge und Machtmissbrauch zum Beispiel. Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, was Henk mit dem großen Ja meint. Heute bin ich ihm unendlich dankbar dafür, dass er mir immer wieder gespiegelt hat, dass ich mir doch eigentlich ein besonders großes JA erhalten konnte und trotzdem oft das Nein voranstellte. 

Nina ist da sehr ähnlich und doch komplett anders. Aber das Prinzip bleibt gleich. Das Ja suchen und wenn es gefunden ist: Es immer wieder bestätigen. Das Nein da sein lassen und offen legen. „Fehler" machen dürfen. 'Try and error' erlauben. Verantwortung übernehmen für sein Leben und anderen keine Macht über sich geben, ist ein Ergebnis, wenn man diese Prinzipien lebt. 

Mela geht, obwohl auch mit uns verbunden, einen ganz anderen Weg als Nina und ich. Warum? Weil sie ganz anders ist und was anderes braucht. Welchen Weg man findet, ist nicht so wichtig.
Wichtig ist, dass er zu Selbstverantwortung und in den individuellen Fluss des Lebens führt. Ist das ansatzweise geschehen, wird der Alltag auch wundervoller im wahrsten Sinne des Wortes. 

Henk hat früher oft zu mir gesagt: „Du übernimmst keine Verantwortung" und das obwohl ich so viel Verantwortung trug. Was er meinte, ich damals aber nicht verstand: Dem Selbst antworten. Nach Innen gehen und der innersten Wahrheit folgen. Wer bin ich, was brauche ich?
Man landet bei Selbst-Verwirklichung, die oft als unpolitisch oder privat belächelt wird. Sie ist aber höchst politisch, weil sie Menschen wach werden lässt zu ihrem Potential und selbst verwirklichte Menschen sich nicht fremd bestimmen lassen. Und, sogar die Buchführung samt Ablagekorb wird erledigt!


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