Eine Sammlung von Problemen

​Zu der Zeit, als die Prinzessin die Eule kennen lernte, hätte man sie fragen können: Was ist dein Problem? Und sie hätte nicht gewusst, wo sie anfangen sollte.
So eine lange Liste! So viele Probleme, so schwer fühlte sich alles an!
So vieles war anstrengend, so vieles kostete mehr Energie, als die Prinzessin sie hatte. Und sie war sich damals so sicher, wenn nur dieses und jenes Problem nicht wäre, dann würde alles besser, alles anders sein. Dann wäre ein neues Leben möglich. Eines ohne Gedankenkreise und Sorgen, ohne schlaflose Nächte und ohne Angst. Nur das irgendwie immer etwas neues nach kam – ein Problem ging weg, fünf neue warteten schon auf sie. 

Das erste Gespräch mit der Eule

​All das alles würde sich nun, wo die Eule in das Leben der Prinzessin getreten war, langsam ändern – zum Glück!
Doch bevor das anfangen konnte, gab es viele Gespräche.
Das aller erste fand direkt an dem Abend statt, als die Eule zu Besuch gekommen war. Und zwar am Fenster, umweht von kalter Januarluft, über den beiden ein klarer Sternenhimmel.

Erst später lud das Mädchen die Eule ein, in ihren Turm zu kommen und an ihrem Tisch zu sitzen und sowieso tauchte die Eule immer genau dann auf, wenn das Mädchen sie brauchte. 

Für dieses erste Gespräch ist es nicht besonders wichtig, worüber geredet wurde – denn alles Wichtige wurde später immer wieder erzählt und die Unterhaltungen immer wieder zusammengewebt zu einem schönen Teppich aus Gesprächen und Wissen. Viel wichtiger war, was das Mädchen dabei spürte.
In diesem Gespräch schien es, als würde die Eule das Mädchen schon ihr ganzes Leben lang kennen. Es war sogar, als würde die Eule sie besser kennen, als sie sich selbst! Und dabei ließ die Eule sie in all dem, wie sie war, stellte fest, ohne zu werten und sprach mit ihr über die Sachen, die sie traurig machten, ohne anzuklagen. Vor allem aber schlug sie nicht vor, doch bitte einfach aus dem Turm zu gehen, wie das sonst manchmal vorgeschlagen wurde, von dem einen oder anderen gut meinenden Menschen. (Und wirklich, wenn es so einfach wäre, dann hätte das Mädchen es doch schon längst gemacht!)
Das alles brachte das Mädchen vor allem zum Weinen. Nicht weil die Eule besonders traurige Sachen zu ihr sagte, oder gemein war, sondern weil die Sachen, die sie zu ihr sagte, sie ganz tief in ihrem Inneren berührten. Auf diese Weise hatte noch niemals jemand mit ihr geredet und erstaunt merkte das Mädchen, wie sich etwas in ihr veränderte. 
Ihr Atem wurde tiefer, ihre Hände wärmer, ihr Körper fühlte sich leicht wie eine Feder an. In ihrem Kopf drehten sich keine Gedankenkreise mehr, sondern es war ein ganz leichtes und sanftes Rauschen zu hören. Sie hatte gar nicht gewusst, dass sich ihr Körper allein durch ein Gespräch so anders anfühlen konnte. Das Mädchen wusste in dem Moment nicht, woher die Veränderung kam, aber sie fühlte sich rund und komplett. Wie durchflutet von Freiheit saß sie da und war einfach zufrieden.
Wir können natürlich über den Grund nachdenken, wie das gekommen war. Vielleicht weil sie in diesem Moment sein konnte, wie sie war und vielleicht, weil sie sich vor dieser Eule kein bisschen verstellen konnte. Oder man kann das „vielleicht" auch einfach wegstreichen. Genau deswegen fühlte sie sich anders, fühlte sich komplett und war da, ganz in diesem Moment. Sie konnte nur sein, wer sie war, denn die Eule bemerkte es sowieso, wenn sie versuchte einen Schleier über etwas zu legen oder etwas zu verstecken. Dabei merkte sie auch, dass das nicht notwendig war, denn die Eule nahm alles was sie war, alles traurige, dunkle, blöde ganz anders wahr als sie.
Für die Eule, war das Mädchen komplett und schon mit allem ausgestattet, was sie brauchte, um in sich ruhend Glück zu erleben und zufrieden durchs Leben zu gehen. Für die Eule gab es nichts zu ändern und sie fragte auch nicht danach. Aber sie legte dem Mädchen ein besonderes Angebot dar. Die Möglichkeit ihren Umgang mit All dem was sie schwer fand, neu zu gestalten.

Das alles wusste das Mädchen in diesem Moment aber natürlich noch nicht!
Das würde später kommen. Für den Moment reichte es dem Mädchen, sich endlich mal wieder einfach gut zu fühlen, keine düsteren Gedanken in ihrem Kopf zu spüren und sogar durch die Tränen hindurch ein bisschen die Eule anzulächeln und tiefe Dankbarkeit für dieses Wesen vor ihr zu spüren.

Doch jedes Gespräch findet irgendwann ein Ende und deswegen erhob sich die Eule in die klirrende Nachtluft und lies das Mädchen nachdenklich und etwas verwirrt an ihrem Fenster zurück.


Zur ersten Eulengeschichte

Slowdown-Mission
Die Kraft des Ja.
 

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