Warum reden plötzlich alle über Po-Duschen?

Wir verwenden Wasser zur Reinigung von Autoscheiben, für das Geschirr und sogar für die Hände. Und ausgerechnet den Teil des Körpers, an dem sich die meisten Bakterien befinden, wollen wir trocken sauber bekommen? Ganz logisch ist das nicht.
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Ich lernte den Proktologen Prof. Dr. Alldinger bei Instagram kennen, weil wir beide Fans von Bidets sind. Inzwischen schätze ich seinen Podcast „Ein Arsch voll Wissen“ – auch seine Reels bei Instagram sind so lehrreich wie vergnüglich. Die Kunst, etwas verständlich zu erklären, beherrscht er. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er für uns einen Artikel mit seiner Sicht auf Handbidets schreiben möge. Er sagte ja. _Petra Sood


Es tauchen immer wieder neue Gimmicks auf, die angeblich das Leben erleichtern. Vor zehn Jahren war man absoluter Outsider, wenn man keinen Brotbackautomaten zuhause hatte. Heute gibt es zwei Gruppen von Menschen: diejenigen, bei denen der Brotbackautomat im Keller steht, und diejenigen, die bereits den Mut hatten, ihn zu entsorgen. Aber natürlich gibt es auch noch Menschen, die ihn nutzen: Menschen mit Unverträglichkeiten oder Allergien oder solche, die nur sehr ausgewählte Zutaten in ihrem Brot haben möchten und keinen Handwerksbäcker mehr im Ort haben. Für die ist ein solcher Automat super.

Das ist der Unterschied zu einer Podusche: die ist für alle Menschen super.

Eine Podusche ist eine Dusche für den Po. Okay. Warum brauche ich das?

Waren Sie schon mal mit dem Auto unterwegs, wollten die Scheibe reinigen und das Waschwasser war leer? Und der Scheibenwischer hat den Schmutz auf der Scheibe so lange verschmiert, bis gar nichts mehr zu sehen war?

Eben.

Wir verwenden Wasser zur Reinigung von Autoscheiben, für das Geschirr und sogar für die Hände. Und ausgerechnet den Teil des Körpers, an dem sich die meisten Bakterien befinden, wollen wir trocken sauber bekommen? Ganz logisch ist das nicht.

Dass das Gerät „Podusche“ heißt, bedeutet übrigens nicht, dass man es nur für den Po nutzen darf. Interessanterweise kennt Amazon den Suchbegriff „Vulvadusche“ gar nicht, immerhin wird man zu „Intimdusche“ weitergeleitet. Zwischen Anus und Vagina liegt für viele Menschen emotional eine ganze Welt. In der menschlichen Anatomie sind es aber nur zwischen 3 und 5 Zentimeter. Und auf der Strecke liegt keine Berliner Mauer. Das macht die Nutzung einer Podusche für Menschen mit einer Vulva nur noch sinnvoller.

Für Muslime und Japaner ist vollkommen selbstverständlich, was uns immer noch exotisch erscheint: nach dem Stuhlgang die Haut mit Wasser zu reinigen. Weshalb ich in Japan keinerlei Probleme damit habe, in ein öffentliches Schwimmbad zu gehen, was ich in Deutschland vermeide. Unsere Erziehung bringt uns nicht bei, uns mit Stuhlgang zu beschäftigen. Unsere Kultur grenzt Ausscheidung aus. Wir beschäftigen uns nur damit, wenn sie nicht funktioniert.

Als Mann darf ich sagen: für viele Männer nimmt der Grad der Bereitschaft, sich mit Kleidung zu beschäftigen, mit dem Grad der Sichtbarkeit ab. Häufig wird auf Hemd und Anzug noch Wert gelegt; die Nachlässigkeit steigt in der Reihenfolge Schuhe, Socken, Unterhose. Bitte ersparen Sie mir Details. Vielleicht ist es mit Körperhygiene ähnlich. Glücklicherweise investieren die meisten Menschen genug darin, um andere nicht mit Gerüchen zu belästigen. Bereiche, die man nicht sehen kann, werden aber leicht vernachlässigt. Aber das ist nur Spekulation.

Fakt ist: folgende Hilfsmittel brauche ich für die Intimpflege nicht:

  • Intimlotion
  • Pflegecreme
  • Hämorrhoidensalbe
  • Spezialseife

Folgende Hilfsmittel sind für die Intimpflege sinnvoll:

Und sollten Reizungen oder andere Beschwerden an der Haut auftreten: bitte nicht irgendwelche Salben ausprobieren. Vereinbaren Sie einen Termin beim Proktologen.

Prof. Ingo Alldinger
Prof. Ingo Alldinger führt eine große Praxis für Proktologie in Düsseldorf. Er produziert den Podcast „Arsch voll Wissen“, in dem er humorvoll und tabulos über Po und Darmgesundheit spricht. Im März 2026 ist das Buch „Arsch voll Wissen“ erschienen.
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