NFP – was ist das überhaupt?
Die Abkürzung NFP steht für „Natürliche Familienplanung“ und ist ein Oberbegriff für alle Methoden, die den Zyklus in fruchtbare und nicht fruchtbare Phasen einteilen. All diese natürlichen Methoden haben gemeinsam, dass sie deinen Zyklus nicht beeinflussen: Sie blockieren weder die Produktion der körpereigenen Hormone, noch unterdrücken sie den Eisprung. Sie versuchen vielmehr, den Eisprung und die fruchtbaren Tage im Zyklus zu bestimmen, damit du als Anwenderin weißt, wann du zusätzlich verhüten musst und wann nicht.
Schauen wir uns die natürlichen Methoden etwas genauer an, zeigt sich schnell, dass sie zwar manche Gemeinsamkeiten haben, sich aber in ihrer Anwendung, im Regelwerk und vor allem in ihrer Sicherheit deutlich unterscheiden. Neben sehr unsicheren Varianten wie zum Beispiel der Kalendermethode gibt es auch moderne und hochsichere natürliche Methoden. Die sicherste unter ihnen ist die symptothermale Methode NFP nach Sensiplan, die auf wissenschaftlichen Studien beruht und mit einem Pearl Index von 0,4 nachweislich genauso sicher funktioniert wie die Pille.
Sensiplan: Die symptothermale Methode
Sensiplan wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts an den Universitäten Düsseldorf und Heidelberg entwickelt und ist gleichzeitig die einzige NFP-Methode weltweit, deren hohe Sicherheit durch unabhängige wissenschaftliche Studien belegt wird. Seit 2024 wird Sensiplan daher auch in der medizinischen Leitlinie für hormonfreie Verhütung als sichere Alternative empfohlen.
Hinter der Methode stecken wissenschaftlich erforschte physiologische Zusammenhänge: Während in den Eierstöcken Eibläschen heranreifen, entsteht Östrogen. Dieses Hormon bewirkt unter anderem eine Veränderung von Zervixschleim und Muttermund, und zwar umso deutlicher, je näher der Eisprung bevorsteht. Diese beiden Zeichen kündigen den Eisprung also an und können mit etwas Übung von jeder Frau beobachtet werden. Nach dem Eisprung sinkt der Östrogenpegel ab und das nun produzierte Hormon Progesteron lässt die Körpertemperatur ansteigen. Durch Messung der Basaltemperatur, also der Temperatur direkt nach dem Aufwachen am Morgen, kann der zuvor angekündigte Eisprung hieb- und stichfest bestätigt werden. NFP ist also letztlich angewandte Biologie: Anders als bei den reinen Rechenmethoden werden konkrete Körperzeichen beobachtet, die rund um den Eisprung herum auftreten und dir signalisieren, dass du fruchtbar bist.

Wie sicher ist NFP?
Die Sicherheit einer bestimmten Verhütungsmethode wird in der Regel mit dem Pearl Index angegeben. Dieser Wert sagt aus, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr unter Anwendung einer bestimmten Methode ungeplant schwanger werden. Weil der Pearl Index aber beispielsweise nicht aussagt, wie genau die einzelnen Schwangerschaften entstanden sind, wird er mittlerweile immer öfter durch die Methoden- und Gebrauchssicherheit ersetzt.
Die Methodensicherheit beschreibt die höchstmögliche Sicherheit, die eine bestimmte Methode ohne Anwenderfehler erreichen kann. Je niedriger dieser Wert ist, umso weniger Frauen werden schwanger und als umso sicherer gilt die jeweilige Methode. Studien der Sektion Natürliche Fertilität an den Universitäten Düsseldorf und Heidelberg belegen die hohe Sicherheit der symptothermalen Methode: Mit einer Methodensicherheit von 0,4 gehört sie zu den hochsicheren Methoden und liegt bei korrekter Anwendung im Bereich der Pille.
Im Alltag ist allerdings oft ein zweiter Wert interessanter, nämlich die sogenannte Gebrauchs- oder Anwendersicherheit. Das ist der Wert, den die Methode unter Berücksichtigung von Anwenderfehlern erreicht, er entspricht also der Sicherheit der jeweiligen Methode unter Praxisbedingungen. In der begleitenden Studie zur Gebrauchssicherheit schneidet die symptothermale Methode mit einem Wert von 1,8 ebenfalls sehr gut (und sogar deutlich besser als die Pille) ab.
Wie funktioniert NFP im Alltag?
Als NFP-Anwenderin beobachtest und interpretierst du die Zeichen deines Körpers. Für die konkrete Anwendung im Alltag bedeutet das: Morgens direkt nach dem Aufwachen misst du deine Basaltemperatur mit einem Thermometer mit zwei Nachkommastellen. Tagsüber beobachtest du die Veränderungen deines Zervixschleims oder tastest deinen Gebärmutterhals ab. Deine Beobachtungen trägst du in ein Zyklusblatt ein und wertest sie nach konkreten, wissenschaftlich erarbeiteten Regeln aus.
Diese Regeln sind das Herzstück der Methode – ohne sie kannst du nicht sicher mit NFP verhüten. Außerdem hilft dir die Beschäftigung mit den Regeln dabei, die Methode und damit auch deinen Zyklus wirklich zu verstehen. Dieses Grundverständnis kann dir keine App und kein Zyklustool verschaffen. Dahinter steht letztlich immer nur ein Algorithmus, der Fehler machen oder nicht richtig arbeiten kann, wenn du zum Beispiel beim Messen Fehler machst oder deinen Zervixschleim nicht korrekt bestimmen kannst. Um NFP wirklich sicher anzuwenden, solltest du dich deshalb nicht auf diese Tools verlassen.
Wenn du die Regeln gelernt hast, bist du selbst ganz hervorragend dazu in der Lage, deinen Zyklus auszuwerten und NFP sicher anzuwenden! Keine Sorge, wenn dir das Regelwerk erstmal kompliziert vorkommt. Das geht am Anfang vielen Frauen so. In den allermeisten Fällen braucht es einfach ein bisschen Zeit, bis die Zyklusbeobachtung zur Routine geworden ist. Wenn du NFP lernen möchtest und dich alleine unsicher fühlst, kannst du einen Kurs bei einer zertifizierten NFP-Beraterin machen, um du die Methode von Grund auf sicher zu erlernen.

Für wen ist NFP geeignet?
Noch immer spuken einige Vorurteile und Bedenken zu NFP durch die Köpfe. Tatsächlich sind die meisten unbegründet: Du brauchst weder einen regelmäßigen Tagesablauf, noch musst du immer zur gleichen Uhrzeit ins Bett gehen oder aufstehen. Und vor allem: Es ist kein Problem, wenn dein Zyklus nicht super regelmäßig ist. Die Methode nutzt ja die Signale deines Körpers: Du lernst dabei, deine Körperzeichen wahrzunehmen und zu interpretieren. Deine Fruchtbarkeit wird anhand deiner Körpersymptome zuverlässig bestimmt – quasi an deinem eigenen Körper „abgelesen“, ganz egal, wann der Eisprung stattfindet. Deshalb funktioniert die symptothermale Methode auch dann, wenn dein Zyklus lang oder unregelmäßig ist oder sich dein Eisprung mal um ein paar Tage verschiebt.
Neben einer sicheren Verhütungsmethode ist NFP auch eine tolle Möglichkeit, um deinen Körper besser kennen zu lernen. Die Methode eignet sich daher besonders gut für dich, wenn du deinen Zyklus verstehen lernen möchtest und eine sichere, hormonfreie und gesunde Verhütung suchst.
Auch wenn du stillst, im Schichtdienst arbeitest oder gerne Party machst, kannst du mit NFP beginnen. Die Methode passt sich sehr flexibel an deine persönliche Lebenssituation an – wenn du dazu Fragen hast oder dir unsicher bist, ob dein Alltag mit NFP kompatibel ist, wende dich am besten an eine ausgebildete NFP-Beraterin, die dich zu deiner individuellen Situation beraten kann.

- In diesem Buch kannst du noch viel mehr zu dem Thema lesen: Meinen Zyklus lesen und verstehen › Anne Schmuck
