Die Kraft des Ja.

Letzte Woche haben eine Freundin und ich uns gemeinsam der Buchführung gewidmet. Jedenfalls dem Vorsortieren, bei dem wir noch nebenbei…
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Letzte Woche haben eine Freundin und ich uns gemeinsam der Buchführung gewidmet. Jedenfalls dem Vorsortieren, bei dem wir noch nebenbei reden konnten. Unser Trick war, dabei telefonisch in Verbindung zu gehen, um einander zu motivieren. Buchführung löst in uns beiden Aufschiebetendenzen aus, wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung. Sie miteinander zu erledigen hatte den Sinn, dass wir dranblieben und nicht etwas anderes und viel Lustvolleres unternahmen, außer uns dabei ein bisschen zu unterhalten.

Da wir beide merkten, wie uns die Neigung zum Aufschieben beim schlichtweg notwendigen Erledigen der Buchführung bremste, sprachen wir noch über andere Dinge, die wir aufschieben oder gerne mal machen würden und doch nicht tun. Manches davon, wie ein voller Ablagekorb mit allem Möglichen drin, lag mir deutlich sichtbar direkt vor der Nase. Anderes und weniger „greifbares“ sprach die Freundin an, zum Beispiel, dass sie kaum noch Zeitschriften liest. Darüber hatte ich in der letzten Zeit auch immer mal wieder nachgedacht. Meine Idee dazu war, mir immer eine Zeitschrift auf mein Stehpult zu legen. Denn: Ich will nicht nur öfter Zeitschriften lesen, sondern auch öfter im Tagesverlauf stehen.

Aus dem Gesprächs nahm ich schöne Ergebnisse und Impulse mit: Eine fertige Buchführung über die fällige Zeit hinaus, eine bald darauf am Stehpult gelesene Zeitschrift – und die zweite, schon begonnene lag dort bereit. Der Ablagekorb mit den Unterlagen der letzten vier Monaten war zur Hälfte bearbeitet. Alles Dinge, die ich schon länger machen wollte.

Heute dachte ich darüber nach, welches Prinzip dahinter steckt. Wieso ging das Sortieren des Ablagekorbs nun so plötzlich, und zwar ganz leicht und ohne Widerstand? Mir fielen Situationen von früher ein, aber auch Nina Hanefeld mit ihrem erfolgreichen persönlichen Wandel und mein Partner Henk Holthaus, der mich viele Jahre lang auf die Kraft des Ja hingewiesen hat und mir immer wieder mein Nein und mein Ja spiegelte. Da sind Prinzipien zu sehen, die uns entweder in den Lebensfluss bringen können oder im Stau stehen lassen. Sie begegnen uns im Kleinen – bei lästigen Alltagspflichten – und im Großen, bei allmählichen Weichenstellungen in unserem Leben.

Entstanden aus meiner Kindheit und Jugend, war meine oft aufploppende Reaktion, wenn mir etwas nicht gefiel – und das gab es oft: „Das will ich nicht. Das soll anders sein!“ Die Reaktion war aber nicht zielfördernd, sondern verknotete viele Neins und Wenns und „will ich nicht“ miteinander.
So wenig ich das früher verstand, ist mir nun durch Lebenserfahrung, viel Therapie und Henks Begleitung völlig klar: Zuerst mal muss ich wissen, was ich will und woran ich glaube! Ist das geschehen, gibt es ein Ja und Handlungsfähigkeit.

Dieses Ja zu leben ist aber riskanter und lebendiger als das Nein voranzustellen. Das Ja bringt mich in verantwortliches Handeln, ich antworte! Das heißt, ich bin ansprechbar und stehe klar da mit meinem Ja. Das jammernde automatische Nein kann nie etwas dafür und wartet auf Lösungen von außen.

Unsere Teamfrau Nina Hanefeld hat über Jahre hinweg viele innere und äußere Streits, Widerstände, Staus und Graus offen gelegt. Sie hat sich mehrere Orte geschaffen, an denen sie nichts verstecken muss. Schonungslos offen war sie, bis ins Detail.
Im Laufe dieses Prozesses lernte sie irgendwann Henk und mich kennen und konnte sich auf noch ganz anderen Ebenen zeigen. Sie lernte für ihr Innenleben und das Verhalten in der Welt ganz neue Sichtweisen und Möglichkeiten kennen. Nach und nach reduzierten sich ihre Verurteilungen des eigenen Verhaltens sowie des Verhaltens anderer Menschen.

Sich selbst grundsätzlich in der individuellen Wesentlichkeit zu erkennen und mit Liebe zu betrachten, macht es möglich, auch die “Dreckecken” anzuerkennen und zu klären. Nina hatte sowieso ein großes Ja zum Leben, doch war es verheddert mit den vielen kleinen Neins. Inzwischen steht das Ja an erster Stelle und ermöglicht auch ein klares und starkes Nein, wenn es nötig ist.

Zurück zu meinem Ablagestapel und dem Stehpult. Was war geschehen? Ich hatte meine Wünsche und Widerstände ausgesprochen, dadurch ans Licht geholt und mit meinem generellen Ja kam die Bewegung hin zum gewünschten Ziel. Dass es irgendwann so einfach sein kann, verstand ich dann nochmal auf andere Weise. Das Ja zu dem Wunder des Lebens, dazu wie man ist, zur eigenen Geschichte, das macht ein entspannteres Leben möglich. Keines, das auf rosa Wolken schwebt, sondern eher auf einer Regenbogen-Achterbahn.

Denn das Ja ist bedingungslos, was den Fluss des Lebens betrifft. Es ist auch da, wenn wirklich konstruktiver Widerstand angesagt ist: Gegen Ungerechtigkeit, Lüge und Machtmissbrauch zum Beispiel. Und hier kommt wieder das große Ja, zu Freiheit, Gleichheit und Liebe. Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, was Henk mit dem großen Ja meint. Heute bin ich ihm unendlich dankbar dafür, dass er mir immer wieder gespiegelt hat, dass ich mir doch eigentlich mein innerliches besonders großes Ja erhalten konnte und trotzdem oft das fast automatische Nein voranstellte.

Nina ist da einerseits sehr ähnlich und doch komplett anders. Aber das Prinzip bleibt gleich. Das Ja suchen und, wenn es gefunden ist, es immer wieder bestätigen. Das reflexartige Nein da sein lassen und offen legen. „Fehler” machen dürfen. “Try and error” erlauben. Verantwortung übernehmen für das eigene Leben und anderen keine Macht über sich geben; das ist ein Ergebnis, wenn man diese Prinzipien lebt. Wichtig ist, dass sie zu Selbstverantwortung und in den individuellen Fluss des Lebens führen. Ist das ansatzweise geschehen, wird der Alltag auch wundervoll im wahrsten Sinne des Wortes.
Wie Kulmine sich entwickelt hat ist sicher ein Beispiel für das große Ja und die Kraft der Überzeugung. Gegen unfassbar viele und große Widerstände blieb ich dran. Und Kulmine zeigt auch, dass ein Ja Menschen anzieht und zwar wundervolle. Kulmine hat ein Netz von herausragenden Kundinnen, Mitarbeiterinnen und Unterstützerinnen. Sie alle haben ein Ja.

Henk hat früher oft zu mir gesagt: „Du übernimmst keine Verantwortung“ – und das, obwohl ich so viel Verantwortung trug. Was er meinte, ich damals aber nicht verstand: Dem Selbst antworten. Nach innen gehen und der innersten, eigenen Wahrheit folgen. Wer bin ich, was brauche ich, was will ich bewegen?
Man landet bei der Selbstverwirklichung, die oft als unpolitisch oder privat belächelt wird. Sie ist aber höchst politisch, weil sie Menschen wach werden und ihr Potenzial erkennen lässt. Selbstverwirklichte Menschen lassen sich nicht, unnötig, Fremdbestimmen. Und: sogar die Buchführung samt Ablagekorb wird erledigt! ;)

Petra Sood
Petra Sood ist nicht nur die Seele von Kulmine, sondern auch ihre Gründerin. Sie führt das Unternehmen bis heute mit Haltung, Herz und Verstand. Nachhaltiges Leben ist für sie gelebte Selbstverständlichkeit - genauso selbstverständlich wie ihr gradliniger und inklusiver Feminismus.
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