Blasenschwäche – was können wir tun?

Viele Frauen kennen das: Beim Niesen, Husten oder sogar beim Lachen gehen plötzlich ein paar Tropfen Urin ab. Ein bisschen unangenehm, aber kein Grund zur Besorgnis. Erst wenn das häufiger geschieht oder aus den paar Tropfen mehr wird, wird es zum ernsthaften Problem. Es gibt einige Möglichkeiten der Vorbeugung und des Umgangs damit, die wir in diesem Artikel vorstellen wollen.
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Aus der Reihe: Ausgewählte Artikel der clio im Kulmine Magazin.

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Viele Frauen kennen das: Beim Niesen, Husten oder sogar beim Lachen gehen plötzlich ein paar Tropfen Urin ab. Ein bisschen unangenehm, aber kein Grund zur Besorgnis. Erst wenn das häufiger geschieht oder aus den paar Tropfen mehr wird, wird es zum ernsthaften Problem. Es gibt einige Möglichkeiten der Vorbeugung und des Umgangs damit, die wir in diesem Artikel vorstellen wollen. Aber zunächst einige Grundlagen.

Die Blase

Sie ist ein blasenförmiges Organ – ähnlich wie ein Luftballon – und hat außen eine sehr dehnbare, netzartige Muskelschicht (Detrusor), die nach innen mit einer schützenden Schleimhautschicht ausgekleidet ist. Eine volle Blase kann am Unterbauch, oberhalb des Venushügels, getastet werden. Wenn sie gut trainiert ist, kann sie etwa einen Liter Urin fassen. Meistens ist aber schon bei 500 ml der Harndrang so groß, dass frau zur Toilette geht. Ab etwa 250 ml meldet sich die Blase leise. So ist eine Reserve vorhanden für Situationen, in denen es einmal nicht passt, zur Toilette zu gehen. 

Die Muskulatur der Harnblase besteht aus drei Schichten, die miteinander verflochten sind und sich nach unten zum Blasenausgang hin zum inneren Schließmuskel verdichten. Diese Muskeln werden von unserem nicht-willkürlichen Nervensystem versorgt. Daneben gibt es noch einen zweiten, äußeren und unserem Willen zugänglichen Schließmuskel, der von der Beckenbodenmuskulatur abzweigt und schraubenförmig die Harnröhre umgreift. Der Blasenhals am unteren Ende der Blase bildet den Übergang in die Harnröhre. Diese ist etwa 4-5 cm lang. Am Tag werden 1-2 Liter Urin ausgeschieden, abhängig von der Nahrung und der Trinkmenge. 

Die Blase hat zwei Funktionen: Urin speichern und sich entleeren. Wenn sich die Blase füllt, steigt der Druck in ihr an, was zu Harndrang führt. Der Druck in der Harnröhre steigt ebenfalls und muss für die Kontinenz immer größer sein als der Druck in der Blase. Wenn sich die Blase füllt, ist das gleichzeitig ein Training für die Blasenmuskulatur und die Schließmuskeln. Fehlt die ausreichende Füllung, wird die Muskulatur nicht in Form gehalten.

Das Wasserlassen

Und jetzt wird es kompliziert: Wie funktioniert das Wasserlassen? Wenn die Blase etwa zur Hälfte gefüllt ist, melden sich die Nerven, die in der Blasenwand liegen: Wir spüren Harndrang und suchen nach einer Toilette. Dort sollten wir uns in aller Ruhe niederlassen und entspannen, den Rest erledigt unser Körper. Das Gehirn steuert den Vorgang und sorgt dafür, dass die Schließmuskeln sich entspannen und der Blasenmuskel sich zusammenzieht. Der Urin kann jetzt abfließen. Wir brauchen nicht mit Drücken oder Pressen mitzuhelfen, das belastet nur die Muskulatur.

Diese Impulse werden durch verschiedene Nerven vermittelt, die an unterschiedlichen Stellen aus dem Rückgrat austreten. Willkürlich beeinflussen können wir diesen Vorgang durch den Schließmuskel der Harnröhre. Er ist Teil einer Muskelschlinge des Beckenbodens und verläuft vom Steißbein bis zum Venushügel, mit drei Öffnungen (Anus, Vagina, Harnröhre), die wir bei einem Orgasmus spüren oder beim Unterbrechen des Harnstrahls. 

Bei den unterschiedlichen Formen der Inkontinenz sind verschiedene Anteile dieses komplexen Entleerungsvorganges geschwächt oder gestört und müssen daher auch unterschiedlich behandelt werden. Oft besteht jedoch eine Mischform, deren verschiedene Anteile erkannt werden müssen.

Belastungs-Inkontinenz

Steigt der Druck im Bauchraum durch Niesen, Husten oder körperliche Belastung, muss der Verschluss der Harnblase besonders gut funktionieren. Ein geschwächter, überdehnter oder auch zu verspannter Beckenboden hält meist nicht mehr richtig dicht.

Es beginnt oft mit einigen Tropfen beim Lachen oder Husten. Verschlimmert es sich, kann die Frau schon beim Treppensteigen, beim Lasten tragen oder beim Sport unfreiwillig Harn verlieren. Dies kann dazu führen, dass Frauen sich immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, sich immer weniger Aktivitäten zutrauen und sich isolieren. Zu Hause ist es einfacher, damit umzugehen, sie können sich waschen, umziehen und dafür sorgen, dass sie sich wenig belasten, und andere Menschen bekommen nichts davon mit. In der Öffentlichkeit ist es vielen sehr unwohl zumute, sie befürchten, nach Urin zu riechen, die Vorlagen könnten gesehen und sie selber abgewertet und diskriminiert werden.

Diese Befürchtungen sind leider nicht ganz unberechtigt. Wir leben in einer Gesellschaft, die in zunehmenden Maße funktionsorientiert ist. Dennoch sollte keine Frau eine „undichte Blase“ als schicksalshaft hinnehmen und sich dadurch isolieren lassen. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die Stressinkontinenz zu bessern oder sogar zu beheben. Dabei sollte immer daran gedacht werden, dass die Behandlung vorrangig einer Stärkung des Beckenbodens dient und die Blase selbst nicht behandelt wird oder werden muss.

Ursachen eines geschwächten Beckenbodens

Die Ursachen einer Schwächung der Beckenbodenmuskulatur sind vielfältig und addieren sich im Laufe der Jahre. Zu nennen sind: Einseitige körperliche Belastung durch das Heben schwerer Lasten oder durch schwere körperliche Arbeit, Geburten, Operationen im Becken, Übergewicht, Organsenkungen und chronischer Husten (auch Raucherhusten). Durch diese Bedingungen kann es (muss aber nicht, entscheidend ist auch eine individuelle Veranlagung) zu einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur und des Bindegewebes kommen. Zusätzlich kann es – bei Erschlaffung der Haltebänder der Gebärmutter – zu einer Gebärmuttersenkung mit Druck auf den unteren Teil der Blase kommen, die dadurch unter Umständen eine geringere Harnmenge fassen kann. Die Harnröhre verläuft dann nicht mehr gerade, sondern leicht abgeknickt, was wiederum das Zusammenziehen des äußeren Schließmuskels erschwert.

Weitere Ursachen für die Entwicklung des unfreiwilligen Harnverlustes können jedoch auch andere Erkrankungen sein, durch die die Reserven der Blase nicht mehr ausreichen. Dies gilt unter anderem für schwere Herzerkrankungen oder eine nicht erkannte Zuckerkrankheit. Hierbei produzieren die Nieren wesentlich mehr Harn als normalerweise und überfordern dadurch die Blase.

Auch bestimmte Medikamente können durch ihren Einfluss auf die Blasennerven die Funktion der Blase stören. Hierzu zählen Herzmittel wie Betablocker und Kalziumantagonisten, krampflösende Medikamente, Beruhigungsmittel, Antidepressiva und andere. Viele derartige Medikamente werden gerade Frauen sehr häufig verschrieben.

Drang- oder Urge-Inkontinenz

Bei dieser Form des unfreiwilligen Harnverlustes liegt in der Regel keine anatomische Veränderung der Blase oder der Harnröhre vor. Die Ursachen sind in einer erhöhten Empfindlichkeit der Blasennerven und des Blasenmuskels gegenüber Dehnungsreizen zu sehen. Hierbei kommt es nicht zu einem Tröpfeln oder Rinnen bei bestimmten Belastungen, sondern zu überfallartigem, äußerst heftigem Harndrang, der sich nur mit Mühe oder gar nicht kontrollieren lässt. 

Diese Empfindlichkeitsstörung kann eine Irritation der Blasenschleimhaut durch häufige Entzündungen oder die Verdünnung der Blasenschleimhaut als natürliche Alterungsfolge zur Ursache haben. Es kann der Ausdruck eines sensiblen seelischen Gleichgewichtes, Folge einer Erkrankung, wie z.B. Schlaganfall, oder auch das erste Symptom einer chronisch entzündlichen Krankheit, wie z.B. Multiple Sklerose, sein.

Bei der Dranginkontinenz sind die Schließmuskeln völlig in Ordnung, aber der Blasenmuskel ist überaktiv oder die Blase ist grundsätzlich sehr gereizt und zieht sich zusammen, wann es ihr passt und kann nicht mehr willentlich kontrolliert werden. Bereits kleine Urinmengen können einen starken Harndrang auslösen. 

Die meisten Frauen mit Inkontinenz haben eine Mischung aus beiden Formen.

Körperliche Beschwerden können der Ausdruck einer seelischen Überforderung sein. Auch Stress kann die Blase reizen. Manche Frauen reagieren auf Angst, Aufregung, Belastung usw. mit einem gesteigerten Harndrang. Eigentlich müsste dabei die Blase ruhiger werden, weil die Stresshormone die Blasentätigkeit hemmen. Bei der Wahl der Behandlungsmöglichkeiten sollte immer mitbedacht werden, einen eventuell. vorhandenen seelischen Druck zu suchen und, falls möglich, zu mildern. Längerfristig helfen Stressabbau, Entspannungsübungen und vielleicht einige der unten angeführten Tipps.

Wie wird eine Inkontinenz festgestellt?

Die erste, die ihren unfreiwilligen Harnverlust feststellt, ist natürlich die betroffene Frau selbst. Bei der Suche nach Hilfe führt der Weg oft zu den HausärztInnen, GynäkologInnen oder UrologInnen. Leider gibt es wenige ÄrztInnen, die sich auf die Inkontinenzbehandlung der Frau spezialisiert haben, und so kann es passieren, dass z.B. die GynäkologInnen vorrangig die Beckenbodenschwäche behandeln wollen und die anderen Möglichkeiten der Inkontinenz unter Umständen nur ungenügend erfassen. Es kann sinnvoll sein, nach einer Urogynäkologin zu schauen, die beide Fachbereiche vereint. 

Das Wichtigste der Behandlung jedoch ist, genau zu wissen, was behandelt werden soll, da sich einige Möglichkeiten durchaus widersprechen können. Gerade bei den nicht seltenen Mischformen sollte sorgfältig gegeneinander abgewogen werden, was mehr Nutzen und weniger Schaden verspricht. Zur Erfassung der verschiedenen Inkontinenzformen gibt es folgende Untersuchungsmethoden:

Die Tastuntersuchung zur Überprüfung der Lage der Gebärmutter und Blase, der Straffheit des Beckenbodens, zum Ausschluss von Geschwulsten.

Die Urinuntersuchung auf Bakterien u.a. (Infektionen können z.B. die Ursache für Dranginkontinenz sein).

Der Ultraschall zur Feststellung der Füllmenge und des in der Blase verbliebenen Restharns sowie zur Überprüfung der Lage der Blase, der Gebärmutter und evtl. Verengungen der Harnröhre, das Ausschließen eines möglichen Drucks auf die Blase durch Geschwulste.

Die Harnfluss- und Blasendruckmessung (urodynamische Diagnostik) zur Untersuchung von Art, Ort und Ursache der Blasenschwäche. Mittels Elektroden am Gesäß wird die Spannung der Beckenbodenmuskulatur und zeitgleich deren Druckverhältnisse durch Druckmesssonden in Blase und Harnröhre überprüft. Dies kann erforderlich sein, wenn eine Operation in Erwägung gezogen wird.

Medizinische Behandlungsmöglichkeiten von Blasenschwäche

Oft besteht der Eindruck, es könne nichts getan werden, frau müsse sich damit, wie mit dem Älterwerden, einfach abfinden, oder allenfalls würde nur eine radikale Operation (z.B. eine Gebärmutterentfernung) helfen. In vielen Fällen jedoch kann nach eingehender Untersuchung der Art der Harninkontinenz gezielt geholfen und eine deutliche Besserungen erreicht werden.

Bei Belastungs-Inkontinenz

Sie ist oft die Folge einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur und kann mit einer Gebärmutter- und/oder einer Blasensenkung verbunden sein. An erster Stelle stehen hier die Beckenbodenübungen. Lassen Sie sich am besten erst einmal Physiotherapie verschreiben oder besuchen Sie einen Beckenbodenkurs, um sich die Übungen von einer erfahrenen Person zeigen zu lassen. Dann fällt es meist leichter, sie später im Alltag alleine richtig und konsequent fortzuführen. Solche Kurse werden von den Krankenkassen oder in Gesundheitszentren, Volkshochschulen oder Nachbarschaftsheimen angeboten.

Die Beckenbodengymnastik strafft die Muskulatur und fördert eine gute Durchblutung des Beckenbodens. Die Urologin kann mit Elektrostimulation oder Biofeedback die Frauen unterstützen, die diese Muskeln erst einmal spüren lernen müssen. Eine leichte Blasenschwäche kann frau so in den Griff bekommen, eine Operation kann hinausgezögert werden.

Lassen Sie sich am Anfang nicht entmutigen: Die Muskeln bauen sich langsam, aber sicher auf. Auch Frauen, die eine schwache Muskulatur oder noch nie etwas für diese Muskeln getan haben, können gute Erfolge erzielen. Muskeln lassen sich glücklicherweise ein Leben lang trainieren – dafür ist es nie zu spät. 

Ein Hilfsmittel, um den Beckenboden zu kräftigen, können Vaginal-Konen sein. Dies sind kleine, längliche Plastikkegelchen, etwa wie ein stärkerer Tampon. Sie sind meist im Fünferpack erhältlich und wiegen zwischen 20 und 70 Gramm. Sie werden in die Vagina eingeführt (zwei Mal täglich etwa 10-15 min). Frauen müssen dann ihre Beckenmuskeln anspannen, um die Kone halten zu können. Sie fangen mit dem kleinsten Gewicht an und steigern dann langsam. Konen sollten allerdings nur in Verbindung mit gezielter Gymnastik angewandt werden. Sonst ist die Gefahr zu groß, dass Frauen lediglich ihre Muskeln „zukneifen“, was sie bei Blasenproblemen meist ohnehin schon tun. Dabei werden nämlich die falschen Muskeln aktiviert oder die richtigen belastet.

Eine Alternative zu den Konen sind Liebeskugeln (Geisha-Kugeln) oder auch Yoni-Eier. Ursprünglich dazu gedacht, die sexuelle Erlebnisfähigkeit zu erhöhen, können sie durchaus auch dazu benutzt werden, in lustvoller Weise den Beckenboden zu kräftigen. Sie werden wie die Konen in die Vagina eingeführt und können dort beliebig lange getragen werden. Sie finden sie in Sex-Shops für Frauen oder im Internet. Die dort ebenfalls in unterschiedlichen Ausführungen angebotenen Dildos können für manche Frauen eine Möglichkeit sein, ihre Beckenbodenübungen um eine spielerische und lustvolle Facette zu erweitern.

Übrigens spüren viele Frauen eine positive Auswirkung der Beckenbodenübungen auf ihre Sexualität!

Bei einer leichten Gebärmutter- oder Blasensenkung hilft zusätzlich das Tragen eines Pessars, eines Stützringes oder Stützwürfels, der in die Vagina eingeführt wird und die Gebärmutter oder die Blase an ihrem ursprünglichen Platz hält. Das Pessar kann selbst gehandhabt werden und dauernd oder nach Bedarf (z.B. beim Sport) getragen werden. Eine Hilfe können auch Inkontinenztampons sein.

Bei einer Verschlimmerung der Beschwerden stellt sich jedoch die Frage nach einer operativen Behandlung der Harninkontinenz. Diese Eingriffe sind genaugenommen keine Inkontinenz-Operationen, sondern vor allem Senkungs- bzw. Wiederherstellungsoperationen. Dabei werden – von der Vagina aus oder über den Bauch – die Muskeln des Beckenbodens gestrafft und/oder die Blase wieder richtig platziert. Oder es wird ein Band unter die Harnröhre gelegt (TVT). Welche der verschiedenen Operationsmethoden eingesetzt wird, kommt auf die Erfahrung der ChirurgInnen an und ob es eine Erst- oder eine Zweitoperation ist. Im Anschluss sollte unbedingt das Beckenbodentraining fortgeführt werden.

Die häufige Empfehlung, die Gebärmutter gleich mit entfernen zu lassen, sollte sehr gründlich überlegt werden. Die körperlichen und psychischen Folgen einer Gebärmutterentfernung sind nicht zu unterschätzen.

Gut 80 Prozent der Operationen sind erfolgreich, bei den übrigen Frauen treten die Beschwerden erneut auf. Allerdings besteht immer die Möglichkeit, dass Nerven, Blutgefäße oder die Harnröhre verletzt werden, es zu Empfindungsstörungen oder einer Verengung der Vagina durch Narbengewebe kommt. Daher sollte jede Frau vorher klären, ob die Operation für sie wirklich notwendig ist. Zudem hält ein Operationserfolg meist nicht bis zum Lebensende an. Nach etwa fünf bis zehn Jahren kann sich das Gewebe erneut verändert haben oder die Organe wieder gesenkt und eine weitere Operation wird notwendig. Diese ist aufgrund von Vernarbungen usw. meist schwieriger. Auch aus diesem Grund sollte eine erste Operation möglichst lange hinausgeschoben werden.

Seit einigen Jahren sind Medikamente gegen Stressinkontinenz auf dem Markt. Bislang imponieren sie eher durch ihre Nebenwirkungen denn durch eine Verbesserung der Inkontinenz.

Bei Dranginkontinenz

Hier helfen keine Muskelübungen oder Operationen. Mit Hilfe spezieller Medikamente, den sogenannten Anticholinergika, lässt sich die überaktive Blasenmuskulatur beruhigen. Die Blase kann sich dann wieder normal füllen, bevor Harndrang entsteht. Diese Medikamente wirken aber auch im übrigen Körper und können eine Reihe unerwünschter Folgen haben, wie Mundtrockenheit, Verstopfung, Herzrasen oder Sehstörungen.

Sehr häufig werden auch synthetische Östrogencremes zur lokalen Anwendung verschrieben, mit dem Gedanken, durch einen besseren Blasenschleimhautaufbau den Drangreiz zu mindern und eine stärkere Spannung der glatten, nicht-willkürlichen Harnröhrenmuskulatur zu erreichen. Frauen erfahren oft eine subjektive Verbesserung, in Studien wird sie nicht unbedingt bestätigt. 

Falls die Dranginkontinenz mit häufigen Blaseninfektionen verbunden ist, ist die wichtigste Behandlung, neue Infekte zu verhindern. Dabei sollte gründlich geprüft werden, wann, wieso und in welchen Zusammenhängen die Entzündungen auftreten. Die Behandlung kann mit homöopathischen, naturheilkundlichen und evtl. begleitend psychotherapeutischen Methoden erfolgen.

Tipps und Selbsthilfe bei Blasenschwäche

Für das Problem „Blasenschwäche“ empfehlen sich verschiedene Möglichkeiten, die Symptome lindern und/ oder den Alltag leichter machen können. Einige der hier genannten Tipps helfen bei speziellen Inkontinenzformen, die meisten sind jedoch generell unterstützend und wirksam.

  • Die Beckenbodenmuskeln sind in Bindegewebe eingebettet; dieses kann im Laufe des Lebens „schwächeln“. Bindegewebsfestigend wirken Kieselsäure (im Reformhaus erhältlich; Dosierungen sind auf der Packung angegeben oder als Schüsslersalz Nr. 11 Silicea), in Hirse, Hafer und Mineralwasser enthalten oder in Schachtelhalmtee (1 Teelöffel pro Tasse, kalt ansetzen, 1 min aufkochen, 10 min ziehen lassen; 2-3 Tassen täglich). Gut sind auch Wechselduschen, kalte Beingüsse und Bürstenmassagen. Bei einer Bindegewebsschwäche sollten einseitige Haltungen vermieden werden. Versuchen Sie, körperschonend zu heben und zu tragen. 
  • Gut wirksam gegen ständigen Harndrang können regelmäßige Senfbäder sein: Etwa jeden zweiten Tag ein fünf- bis zehnminütiges warmes Fußbad mit dem Zusatz von zwei Esslöffeln scharfen Senf. Stärkt auch bevor man aus dem Haus geht.
  • Kürbiskerne enthalten Stoffe, die die Blase insgesamt kräftigen. Man kann sie gut über Suppen und Salate streuen oder einfach mal zwischendurch knabbern.
  • Lassen Sie sich Zeit, wenn Sie zur Toilette gehen. Entleeren Sie die Blase vollständig, ohne die Bauchmuskeln anzuspannen. Versuchen Sie einfach loszulassen und den Urin herausfließen zu lassen, nicht zu pressen. Letzteres schwächt die Muskulatur auf Dauer.
  • Vor allem bei Drang-Inkontinenz sollten Sie kalte Füße, Zugluft oder Unterkühlung vermeiden, eine empfindliche Blase reagiert auf den kleinsten Kältereiz. Aber auch bei anderen Inkontinenzformen sollten Sie den Unterleib warmhalten und kalte Füße möglichst ausschließen.
  • Die Blase ist ein sehr nervenreiches Organ, deshalb können sich in ihr Nervosität und Anspannung besonders niederschlagen. Versuchen Sie also, diese zu vermeiden oder zu vermindern, oder versuchen Sie einen Ausgleich durch Entspannungs- oder Atemübungen, Yoga oder dergleichen zu schaffen.
  • Generell hilfreich ist die Stärkung des Kreislaufes und der „Venenpumpe“. Das Venenblut von unterhalb des Herzens, das die Abfallstoffe aus den Organen abtransportiert, muss beim Rücklauf zum Herzen die Schwerkraft überwinden. Durch die wechselseitige Anspannung und Entspannung der Muskeln, die die Venen umgeben, wird das Blut durch die Venen gepresst. Bei schwachen, verspannten oder wenig benutzten Muskeln funktioniert diese Venenpumpe schlecht, das heißt, dass Abfallstoffe ungenügend entfernt werden und die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu kurz kommt. Es gibt eine Vielzahl von Gymnastikübungen, die die Venenpumpe in verschiedenen Körperteilen aktiviert. Generell ist aber auch jegliche Art von körperlicher Aktivität gut.
  • Prinzipiell wichtig sind eine gute Ernährung und Verdauung, um den Unterleib nicht all zu sehr zu belasten. Sorgen Sie für einen guten Stuhlgang, allerdings nicht mit Abführmitteln herbeigeführt, sondern mit ballaststoffreicher Nahrung, viel Bewegung und ausreichender Flüssigkeit (Mineralwasser, Kräutertee).
  • Vermeiden Sie möglichst Verstopfungen, z. B. mit Hilfe von Weizenkleie oder Leinsamen (auch da bitte viel trinken!). Sie schaden dem Beckenboden. Das Drücken beim Stuhlgang belastet die Muskeln übermäßig und dehnt sie zu stark.
  • Falls Ihnen Beckenbodenübungen zu aufwendig sind oder wenn Sie nur ein gelegentliches „Tröpfeln“ beim Sport, Treppensteigen usw. haben, gibt es die einfache Methode der Vorlagen. Zu Beginn reichen oft noch welche aus Stoff aus. Bei zunehmender Stärke macht es mehr Sinn, saugfähigere Vorlagen zu benutzen und die aus Stoff darüber zu legen, damit die Vulva nicht zu trocken wird. Auch hier gilt: einfach mal ausprobieren, was Sie unterstützt. Fragen Sie Ihre ÄrztIn nach den verschiedenen Angeboten und welche die Kassen übernehmen. Benutzen Sie keine Menstruationsartikel, diese sind nicht speziell ausgerüstet. Einige Frauen haben Angst, andere könnten den Urin riechen, wenn sie Vorlagen benutzen. Ähnlich wie bei Frauen, die während der Menstruation Binden benutzen, ist auch hier von anderen nichts zu riechen, wenn Sie die Vorlagen regelmäßig wechseln. Wenn Sie dem nicht vertrauen, testen Sie es am besten mit Ihnen nahestehenden Personen und fragen Sie bei diesen einfach mal direkt danach.

Blasentraining

Eine häufige Reaktion ist die Reduzierung der Trinkmenge, damit frau nicht so oft gehen muss. Leider verändert das auf die Dauer auch das Durstempfinden. Das lässt nach, wenn wir wenig trinken und wenn wir älter werden, wird es noch weniger. Für die Blase hat das fatale Folgen: Sie verliert ihre Speicherfähigkeit, die Blasenmuskulatur wird schwächer, der Harndrang häufiger und dies auch schon bei geringer Füllung der Blase. Zudem wird der Urin konzentrierter und kann die Blase reizen. Der Körper wird trockener, das merken wir an den Schleimhäuten der Nase, dem Mund (Mundtrockenheit!) und der Vagina. Auch die Schleimhaut, die die Harnröhre auskleidet, ist weniger feucht und dadurch empfindlicher. Die gesamte Haut wird trockener, spröder und damit auch faltiger.

Sie sollten etwa 1,5 Liter am Tag trinken; wenn es heiß ist, bei körperlicher Belastung oder wenn Sie Medikamente einnehmen, besser noch einen Liter zusätzlich. Trinken Sie am besten gleichmäßig über den Tag verteilt immer wieder mit kleinen Schlucken.

Die Blase sollte nicht zu oft, aber auch nicht zu selten entleert werden. Meistens gehen wir zu oft, da wir nicht nur gehen, wenn wir wirklich müssen, sondern auch bevor wir das Haus verlassen, wenn unterwegs gerade eine Toilette in der Nähe ist usw. Dies führt dazu, dass die Blase entleert wird, bevor sie gut gefüllt ist, sie merkt sich das und meldet sich in Zukunft immer schneller. Wenn nur eine „unangenehme“ Toilette erreichbar ist, unterdrücken wir es lieber, solange es geht, das verspannt aber längerfristig den Beckenboden. Es ist schwierig anzugeben, wie viele Toilettengänge am Tag normal sind, eine gute Faustregel besagt, Sie sollten es einmal am Tag etwa vier Stunden „ohne“ aushalten und nachts möglichst nur einmal rausmüssen.

Sinnvoll kann es sein, mal ein oder zwei Tage lang ein so genanntes Miktionsprotokoll zu führen, um die Miktion, also das Wasser lassen, zu kontrollieren, am besten, wenn Sie fast nur zu Hause sind. Und Sie können dabei auch sehen, ob Sie genügend trinken. Notieren Sie die getrunkene Flüssigkeit in ml über den Tag. Messen Sie dafür einfach Ihr Lieblingsglas und -tasse aus. Stellen Sie einen Messbecher auf die Toilette, in den Sie Wasser lassen und schreiben Sie die Menge auf. Ein normaler Drang, die Blase zu entleeren, sollte etwa ab 250 ml auftauchen. Eine Blasenfüllung sollte zwischen 350-500 ml liegen.

Wenn Sie feststellen, dass Sie viel früher schon einen Harndrang haben, verlängern Sie nach und nach die Intervalle. Warten Sie also erst einmal ein paar Minuten, bis Sie gehen und dehnen diese Minuten immer weiter aus, bis der Harndrang der Füllmenge in etwa entspricht. Diese Umstellung darf einige Wochen dauern, Sie haben sich das ja auch meist jahrelang angewöhnt. Hier noch einige Tipps bei Harndrang, dem Sie nicht nachgeben wollen: Lenken Sie sich ab; ziehen Sie mehrmals den Beckenboden fest an, beugen Sie sich nach unten, wie wenn Sie Ihre Schuhe binden wollen und atmen dabei tief ein, um den Druck von der Blase zu nehmen (gut auch bei überfallartigem Harndrang vor der Wohnungstür), oder sagen Sie sich: „Hier gibt es gar keine Toilette, ich kann jetzt nicht gehen“. Manches hilft auch nachts im Bett, wenn man nicht zur Toilette will.

Hilfreich kann ein Tagebuch sein, in das Sie einen Monat lang einmal alles im Zusammenhang mit Ihrer Blase eintragen: Wie oft Sie zur Toilette gehen, wie sich Blase und Unterleib danach fühlen, was Sie essen, was Sie ausprobieren, welche Veränderungen Sie spüren und und und. Mit diesen Erfahrungen können Sie dann für sich selbst ein gutes Programm an unterstützenden Maßnahmen ausarbeiten. Nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihren Körper, erkunden Sie, was Ihnen guttut, was Ihnen Spaß macht – auch, was Ihnen Lust bereitet oder Ihren Alltag entlastet.
2011 geschrieben von Petra Bentz, Mitarbeiterin des FFGZ e.V. Berlin

Nirgends im deutschsprachigen Raum gibt es unserer Meinung nach so viel geballtes Wissen zum Thema Frauengesundheit zu finden, wie in den gesammelten Ausgaben der clio. Zwei­mal jähr­lich kommt ein Heft mit einem ak­tu­el­len The­men­schwer­punkt her­aus. Alle Aus­ga­ben der clio kannst du direkt beim FFGZ und im Buchhandel unter der ISSN 0933-0747 bestellen, oder du besuchst die Bi­blio­thek des FFGZ e.V. in Berlin. Alle Artikel dieser Beitragsreihe im Kulmine Magazin findest du unter clio-Redaktion. Im Kulmine Onlineshop sind die aktuellen Ausgaben der clio erhältlich.

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